Wohn- und Mietshaus Saposhnik

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Bolschaja-Arnautskaja-Straße 91

Das vergleichsweise kleine Haus, dessen Fassadenseite ein halbes Grundstück der Standardgröße ausfüllt, weist die für die Entwürfe des Architekten Leonid Tschernigow typischen Merkmale auf. So liegt über der Einfahrt das Zimmer des Straßenwärters und das Erdgeschoss ist für Geschäftslokale konzipiert. Es bleibt aber offen, von wem der Entwurf tatsächlich stammt.

Gebäudeart: Wohn- und Mietshaus
Baustil: ornamentaler Jugendstil, Eklektizismus
Architekt: unbekannt, vermutlich Leonid M. Tschernigow oder M.G. Rejngerz
Baujahr: nach 1900
Status: Baudenkmal von lokaler Bedeutung

Die Fassade

Gesamtansicht Gesamtansicht

Das Grundstück gehörte in der zweiten Hälfte des 19. Jhs. Iwan T. Grigorjew. In den Adressenverzeichnissen der 1890er Jahre ist vermerkt, dass der Kaufmann der zweiten Gilde Iwan T. Grigorjew in seinem Privathaus in der Bolschaja-Arnautskaja-Straße 91 ein Öllager hatte. Ein weiterer Kaufmann der zweiten Gilde Iwan E. Grigorjew handelte unter der genannten Anschrift mit Öl und russischen Waren, die in der Anzeige nicht näher beschrieben wurden. Außerdem betrieb der Kaufmann der zweiten Gilde Chaim Benjaminow Komberg unter der Adresse ein Lebensmittelgeschäft. Um die Jahrhundertwende eröffnete eine Chaya Mordkowna Porter im Haus einen Buchladen, und in den 1900er Jahren bot der Kaufmann der zweiten Gilde Zeylik Schmarjew Kofman hier Trocken- und Kolonialwaren an. Später verkauften D. Sinkowezki und T. Elfant unter der Anschrift Öle, und der Kaufmann der zweigen Gilde I.P. Rosenblat mietete eine der Wohnungen an.

1904 ging Grigorjews Grundstück an den Kaufmann der zweiten Gilde Motel-Abram M. Saposhnik aus Odessa über, der sein Vermögen mit Kurz- und Eisenwarenhandel gemacht hatte. Die architektonischen Besonderheiten des Hauses weisen darauf hin, dass der Bauherr Saposhnik war. Laut Verzeichnis des Kulturerbes von Odessa wurde das Haus Ende des 19. Jhs. gebaut, jedoch lässt sich der Jugendstil bis 1900 — mit Ausnahme der Teepackfabrik von Wysozki — in der Stadtarchitektur nicht belegen.

In den 1910er Jahren befand sich im neuen Haus von Saposhnik das Öllager des Handelshauses «G. und B. Scheinberg» aus Kischinau, vertreten durch die Besitzer und Erb-Ehrenbürger der Stadt Gersch und Boruch Scheinberg. Des Weiteren verkaufte ein S. Schneider hier Wasserrohre samt Zubehör und eine Ruchlya M. Dresels bot künstliche Blumen an.

Das Haus ist zweifelsohne ein Beispiel für den frühen Jungendstil. Davon zeugen die Gesamtgestaltung, die Fensteröffnungen und Fensterverdachung im obersten Stockwerk, eklektischen Treppengeländer und der üppige florale Dekor.

Auffällig sind auch die Balkongeländer mit den für Odessa ungewöhnlichen Elementen aus Metallblech. Das gleiche Geländer schmückt übrigens den Balkon auf der Hofseite des Hauses Koriman, was sich ebenfalls in der Bolschaja-Arnautskaja-Straße Ecke Preobrashenskaja-Straße befindet.

Der Balkon im 2. Stock hat die Standardbreite, der im ersten ist doppelt so breit.

Die Balkone

Kleiner Balkon im 2. Stock Großer Balkon im 1. Stock

Die Fassadenstuckelemente zwischen 1. und 2. Stock sind durch senkrechte Achsen betont, was typisch für Tschernigows Entwürfe ist.

Stuckelemente zwischen 1. und 2. Stock

Zwei linke Fensterachsen über der Einfahrt sind durch den Risalit, der mit einem Giebel im Jugendstil abschließt, hervorgehoben.

Der Risalit über der Einfahrt

Ansicht von unten nach oben Dekor, 2. Stockwerk, Gesamtansicht Giebel Renaissance-Fenster im 2. Stock Stuckelemente zwischen den Fenstern des 1. und 2. Stocks

Die Einfahrt

Gesamtansicht Gesamtansicht Fenster des Straßenwärterzimmers

Das Originaltor ist teilweise erhalten geblieben und ist heutzutage durch ein neues Tor aus massivem Metallblech verdeckt.

Das Tor

Torflügel Dekor des Torflügels, ein Ausschnitt

Die Originaltorflügel ähneln denen der Häuser, die von Tschernigow entworfen wurden.

Der Risalit ist im Dekor eklektisch gehalten. So sind die Fenster des 1. Stocks in ihrer Form an die Renaissance angelehnt, zwei Tafeln unmittelbar unter dem Giebel stellen aber eher eine Rokoko-Stilisierung dar. Auch die anderen Fenster sind durch solche Tafeln hervorgehoben.

Die Elemente des Fassadendekors

Wandtafel Attika und Konsolen Dekorelemente unter den Fenstern im 1. Stock

Von der Hofseite aus sieht man, dass das Haus in der Tat nicht groß ist, so dass ursprünglich auf jeder Etage eine oder zwei Wohnungen lagen.

Die Hofseite

Gesamtansicht Einfahrt, Risalit

Auf der Hofseite ist die Einfahrt ebenfalls durch einen Risalit betont. Im Risalit liegt das Treppenhaus. In der Einfahrt befindet sich der Hauseingang. Die Verzierung des Treppengeländers, was im Original erhalten geblieben ist, ähnelt der im Haus Skarshina (Architekt M. Rejngerz, Bauzeit 1906-1910).

Das Treppenhaus

Treppenlaufgeländer, Eingangsbereich Treppengeländer Treppengeländer Treppengeländer Treppengeländer

Auf der Hofseite ist der Risalit zwischen den Fenstern des 1. und des 2. Stocks mit einem recht ungewöhnlichen Ornament verziert. Von der Hofseite sieht man, dass das Haus aufgestockt wurde; vermutlich geschah das zur Sowjetzeit. Im rechtwinklig zur Fassade liegenden Hausflügel befindet sich die Diensttreppe.

Literatur- und Quellenverzeichnis

Von:

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